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Der Mechanismus der Evolution:

DIE KULTUR, DER URHEBER UND DIE UMWELT

Die Spuren der Evolutionseinheiten in der Umwelt
Die Spuren der Evolutionseinheiten in der Umwelt

Die Kultur, ihr Urheber und die Umwelt – es ist die Troika, die die Evolution antreibt. Die Wechselwirkung (die Energie-, Stoff-, Informations-, Wahren- usw. Austausch) der Einheit verändert die Umwelt, hinterlässt in der Umwelt ihre Spuren. Diese Spuren, diese Hinterlassenschaften werden als Kultur beschrieben. Die evolutive Einheit ist von Natur im Stande bzw. ist mit der Fähigkeit behaftet zu lernen, diese Spuren zu deuten. Dieses „von Natur im Stande“ betrifft die essentielle Eigenschaft jeder evolutiven Einheit zur Selbsterhaltung. Sie wird merken, wenn das Gefälle der Stoff- bzw. Energiekonzentration, die sie zur Selbsterhaltung benötigt, verändert sich und muss an geänderte Situation sich anpassen. Es kann auch auf zweierlei Weisen passieren: entweder sich selbst zu verändern (anpassen in biologischem Sinne) oder aktiv die Umwelt für eigene Bedürfnisse anpassen (durch kulturelle Wirkung die Umwelt sich anpassen).

Die Kultur neben der Umwelt ist einer der wesentlichen Begriffen in der a-Evolutionstheorie. Die Bedeutung der Umwelt kennen wir gut aus der  biologischen Evolutionstheorie, in der sie als selektiver Faktor der Evolution auftritt. In der a-Evolutionstheorie tritt die Selektion als eine Art der gestaltenden Wirkung der Umwelt. Die Selektion ist hier eine von möglichen Gestaltungsäußerungen. Eines davon ist das Lenken auf bestimmte Entwicklungsbahn, in dem die Freiheit der zu entwickelnden Einheit (etwa einem Stern) durch vorhandene Umwelt beschränkt wird. Andere Gestaltungsart tritt als ein Bumerang zur eigenen Wechselwirkung. Die evolutive Einheit verändert kulturell die Umwelt, die dann wiederum die Einheit zu reagieren zwingt. In diesem Kontext die Selbstorganisation erhält eine andere Bedeutung und weicht von allgemein etablierten ab. Dort wird die Selbstorganisation auf die Einheit selbst beschränkt. Hier wirkt die Einheit auf die Umwelt und die Wirkung kehrt auf die Einheit zurück, so dass die Umwelt als das Hilfsmedium der Selbstorganisation auftritt. Wenn wir die Perspektive ändern und die übergeordnete Ebene (etwa eine phänomenale Welt oder eine soziale Einheit) als eine Einheit betrachten, dann trifft die Beschreibung von WIKI wieder zu. Nebenbei bemerkt, dieser Umstand wie keiner anderet zeigt, wie gegenständliche Wahrnehmung verdeckt uns die Ganzheiten, die wir gar nicht als solche vermuten. Ein gegenständliche WWN eines Lebewesens unterscheidet sich von dem WWN des Lebens, in dem das Lebewesen agiert, kaum. Dennoch können wir einen wahrnehmen, anderen nur gedanklich nachvollziehen.

Da wir mit dem WWN in der Analyse operieren, es entsteht ein dringender Bedarf auch die Umwelt zu differenzieren. In der Theorie wird unterschieden zwischen

  • der fremden Umwelt, unter der andere phänomenalen Welten gemeint sind,
  • die eigenen bzw. phänomenalen Umwelt, unter der die Umwelt aus der Einheiten der Gleichen Art bzw. aus der Einheiten der eigener phänomenalen Welt besteht,
  • die sozialen Umwelt – der Umwelt, die auf soziale Einheit begrenzt ist.

Die Evolution ist ausgezeichnet durch eine stetige Verschiebung der gestaltenden Wirkung der fremden Umwelt, die am Anfang jeder phänomenalen Welt als stärkste ist (und auch weiterhin spielt eine bedeutende Rolle), hin zur wachsenden Bedeutung der kulturellen Wirkung. Die letzte lässt die evolutive Einheit verändern und/oder Schranken für die Umweltwirkung stellt. In der Evolution des Lebens sind beide Aspekte zu treffen. Neben biologischen Anpassung der Lebewesen, wird die Umwelt geändert. Das Leben verändert physikalischen Eigenschaften der Erde (Atmosphäre, Albedo, Klima, Ressourcen etc.) die das folgende Leben gestaltet. Die Kultur koppelt auf sein Urheber zurück, wirkt gestaltend. Es heißt aber zugleich, dass man sich selbst gestaltet hat. Der Sauerstoff – ein Nebenprodukt des Stoffwechsels und das Gift für das Lebewesen, schafft eine Anpassung, für die Sauerstoff essentiell ist. Die Kultur wirkt als gestaltende Evolutionskraft.

Es wird drei Arten der Kultur unterschieden, zwischen den ein fliesender Übergang gibt. Unter der Kultur-I  wird die Kultur verstanden, die unaufgefordert zurückgeblieben ist. Hier gibt zu bemerken, dass die Begriff kann nur vorübergehende Bedeutung haben, da eine Nebenwirkung kann auch viel später wieder in die Evolution zurückwirken. Die Kultur, die wir als Kultur-I bezeichnen kann noch immer zurückkoppeln. Die Kultur-II ist die Kultur, die auf sein Urheber zurückkoppeln beginnt. So erkennt ein Einzeller durch die Stoff-Konzentrationsgefälle die andere. Im engen Netz der Wechselwirkungen lernt es zu kommunizieren, um eine gesamte Strategie sowohl bei Gefahr als bei der Nutzung der Ressourcen zu entwickeln. Die dritte und entscheidende Etappe der Steigerung der kulturellen Wirkung mündet in der Verschmelzung der Kultur und des Urhebers zur einen neuen qualitativen Einheit. Es ist die Kultur-III.

Vielleicht gibt es Jemanden, der mir ein Video-Kartoon zu Veranschaulichung machen könnte. Ich stelle mir dabei vor ein witziges Lebewesen-Fantasiefigur (es sollte abstrakt wirken), von der wir nur Schatten sehen. Es geht und hinterlässt dauernd ein nach dem anderen ein Ei. Es wäre die Kultur-I. Die Variante: das Lebewesen lässt ungekümmert die Häufchen hinter sich. Beide sind die Nebenprodukte einer Wechselwirkung. Dann sehen wir anderen Lebewesen, das folgt den Spuren, findet die Eier und frisst sie. Es hat für ihn die Bedeutung: „Ich bin die Nahrung für dich“ oder er findet das Häufchen, fällt in eine Aufregung, in seiner gedanklichen Wolke der Bild der Weibchen. Es ist die Kultur-II. Andere Variante der Kultur-II: das erste Lebewesen legt die Eier, gräbt sie vorsichtig ein. Sie haben eine Bedeutung für sein Urheber. Nur reicht es nicht weiter, deshalb die Kultur-II.

Im dritten Akt sehen wir das Lebewesen, der mit dem Baby spielt. Hier ist das Baby als Kultur-III zu deuten. Es ist auch eine Hinterlassenschaft einer Wechselwirkung, die allerdings – gerade bei höheren Tieren – braucht die Pflege und Vorsorge, die es von einem oder beiden Elternteilen bekommt. Die Kultur koppelt dauerhaft zurück. Wobei wirklich dauerhaft erfolgt es nur in Menschen-Familie, in der das Nachwuchs nicht abgestoßen wird, sondern bleibt in der Familie bzw. geregelt mit anderen Familien umgetauscht wird (abgesehen von der Entwicklungen in der Neuzeit, die die Selbständigkeit des Nachwuchs fordern sollen :-)).


Am Ende noch eine Kurzfassung des Mechanismus:

Jede evolutive Einheit hinterlässt die kulturellen Spuren in ihrer Umwelt (Kultur-I). Die Einheiten des WWN lernen die Spuren zu deuten und sie für eigenen Stoff-Energie-Bedarf oder für die Kommunikation zu nutzen. Die Rückkoppelung der Kultur zeichnet die Steigerung zur Kultur-II. Die wachsende Rate und Intensität der Rückkoppelung bringt zur Verschmelzung der Kultur und des Urhebers zu einer neuen qualitativen Einheit, die sich von dem ursprünglichen WWN emanzipiert oder als selbständige Einheit in ihm agiert.

In dieser Verschmelzung die Kultur dient als schützende Barriere für weitere – so zusagen gesetzmäßige – Evolution seines Urhebers. Der Mensch stellt der gestaltenden selektiven Wirkung der Umwelt seine kulturelle Errungenschaften entgegen. Er brauch kein Fell zu entwickeln, da es die wärmende Kleidung herstellt und die geheizte Häuser baut. Gegen Krankheiten entwickelt er Medikamente usw. Die natürliche Evolution hat hier wenig Angriffsfläche. Genau deswegen wird Mensch nicht als ein Lebewesen in einem Kommunikationsnetz der Menschen angesehen, sondern als eine interne Einheit einer evolutiven Einheit, in der die Verschmelzung Mensch-Kultur voranschreitet. Ich nenne sie eine Gemeinschaft. In unserer komplexen Gesellschaft wird die Kultur so vielfältig, dass ein Mensch kann als interne Einheit mehreren Gemeinschaften agieren: von der Familie über das Unternehmen, in dem man sein Brötchen verdient, bis zu Freindschaftskreisen, Vereinen, in den man seine Interessen betätigt usw.