Modernen Evolutionstheorien bzw. Konzepte: Eine Zusammenfassung

Diese Artikel sollte eine Zusammenfassung der (biologischen) Evolutionstheorien bzw. evolutionstheoretischen Konzepte sein. Die sind sehr vielfältig und ich habe nicht den Anspruch die Theorien vollständig zu beschreiben, noch weniger geht es mir um die geschichtliche Entwicklung der Theorien, daher beschränke ich mich auf diese Konzepte, die in der Gegenwart eine Rolle spielen, mit einer expliziten Erwähnung, dass sie alle eine Fortentwicklung Darwins ET bzw. seine Ideen sind. Den Artikel habe ich vor fortzuschreiben, weil vermute, es gibt ein Ergänzungs- bzw. Änderungs-Potential. Ihre kritische Kommentare hätten mir geholfen.

Das Standardmodell der heutigen, auf Darwins Lehre zurückgehenden Evolutionstheorie ist die Synthetische Evolutionstheorie (SET), die sich auf die zufälligen Mutationen der Gene, die zur Darwins-zeit noch nicht bekannt wurden, stützt. Die charakteristischen Kennzeichen der Synthetischen Theorie ist der Genzentrismus und Gradualismus – ein Konzept, in dem die Rate der genetischen Veränderungen als konstant angenommen wird (die Sprunghaftigkeit wird ausgeschlossen). Neben Mutationen, die als Fehler interpretiert werden, gibt es noch „gesetzmäßige“ genetische Veränderungen wie Rekombination des Erbguts und Gendrift. Die Mutation, die Rekombination und die Gendrift werden neben der Selektion zur Evolutionsfaktoren gezählt. Die Population – nicht eine Art – wird als evolvierende Einheit verstanden (die Erwähnung scheint mir wichtig zu sein, weil in meiner Erinnerung aus der Schulzeit – vor über 40 Jahren und in sowjetischem Kulturraum -, war es eine Art, die evolviert hat).

Der Egozentrismus der SET findet sein Höhepunkt in dem Konzept des Egoistischen Gens, das seit dem Veröffentlichung des gleichnamigen populärwissenschaftlichen Buches von Richard Dawkins vor mehr als 30 Jahren erfolgreich gestaltet das Weltbild der Öffentlichkeit (siehe unten Verwandtenselektion). Die Kernthese: Es ist die Gene, die den lebenden Organismen zum Zweck ihrer Fortpflanzung nutzen.

Evo-Devo (abgeleitet von evolutionary developmental biology) oder Evolutionäre Entwicklungsbiologie weist neben den Genen der embryonalen Entwicklung einen gebührenden Platz in der phänotypischen Evolution zu. Die Erklärung wird von Befürwortern als Erweiterte Synthese der ET verstanden, wobei eine bestimmte Revidierung ist nicht zu übersehen: Die Bedeutung der Zufälligkeit wird geschmälert und es wird die Bedeutung der  systemischen Veränderungen anerkannt.

Evo-Devo sieht die embryonale Entwicklung selbst als ein evolvierendes System und sieht es in einem komplexen Zusammenhang mit der Umwelt. Der Fragenkreis von Evo-Devo konzentriert sich auf die phänotypische Plastizität. Unter der Plastizität wird verstanden, dass ein Genotyp unter verschiedenen Umweltbedingungen verschiedene, unter Umständen stark abweichende, Phänotypen erzeugen kann. Ein bekanntes Beispiel ist, dass aus Eiern bestimmter Schildkrötenarten je nach Temperatur und damit umweltabhängig, männliche oder weibliche Nachkommen schlüpfen. Die Gene werden nicht als allmächtiger Steuereinheiten verstanden, sondern sie als eine Schaltung dienen, die von der entwickelnden zellularen Umwelt eingeschaltet bzw. aktiviert wird. Der Bauplan ist nicht in einem Erbgut vorgegeben, sondern der Bau entsteht in einer ständigen rückkoppelnden Kommunikation mit dem Erbgut. Auf die Schnittstelle kann die weitere Umwelt einwirken, die Feedback-Signale mindern oder verstärken.  Das Mechanismus, wie die auf diese Weise entstehenden Variationen durch die Verankerung in DNS stabilisiert (weitervererbt) werden, ist noch zu klären.

Verwandtenselektion ist eine Erweiterung zu dem Evolutionsfaktor: Selektion. Sie liefert eine Erklärung für altruistisches Verhalten der Lebewesen, durch die die Hauptthese des individuellen Fitness/Fortpflanzung der ET verletzt wird. Diese Erweiterung bzw. Konzept ist weitgehend akzeptiert, daher auch in populärwissenschaftlichen Quellen oft vertreten ist. Es genug an viele Dokumentarfilmen über Tierreich zu erinnern, in denen die Selbstlosigkeit der Eltern oder Tanten/Onkeln oft durch die Bemerkung begleitet wird, dass somit sie den Fortbestand ihrer Gene sichern. Solcher Behauptung stützt sich auf die Annahme des Konzepts des Egoistischen Gens. Im Grunde unterstützen sie sich gegenseitig in einem Zirkelschluss: Egoistischer Gen ist durch die Beobachtung der altruistisches Verhaltens in einer sozialen Gruppe  gegründet worden ist und wird seinerzeit als Begründung für Verwandtenselektion genommen.

Gruppenselektion ist ein evolutionstheoretisches Konzept, in dem wird angenommen, dass Selektion auf die Gruppe wirkt und nicht wie in klassischen ET auf Ebene des Individuums. Die Idee geht auf Charles Darwin zurück, ausgerabetet wurde sie von Vero Wynne-Edward in 1962. Sie wurde verworfen und nur fast nach 40 Jahren kehrte als ein Teil der umfassenderen Multi-Level-Theorie (siehe weiter unten) zurück.

Die Einwände, die ich auf die WIKI-seite beschrieben sind, betreffen evolutionäre stabile Strategie (ESS) der Gruppe. Dieses spieltheoretisches Konzept sollte man kennenlernen, da er von Biologen oft benutzt wird.  Zur hervorheben ist, dass Spieltheorie ein Teil der Mathematik ist und nicht als Theorie in herkömmlichen Sinn zu verstehen sondern als analytisches Werkzeug.

Multilevel-Selektion wurde entwickelt von dem Biologen David Sloan Wilson und dem Philosophen Elliott Sober und 1999 veröffentlicht. Die Multilevel-Selektion ist sehr im Sinne der a-Evolution, wobei ich zu analogen Ergebnissen unabhängig gekommen bin. Auch den Matrioschka-Prinzip, die ich für meine phänomenalen Welten anwende, sind meine eigene „Kreation“, die die Verwandtschaft unserer Weltsicht bzw. Paradigma/Denkweise zeigt, weil wir zu gleichen Analogien gegriffen haben.

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